ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB
 

"ZwischenRufe" 2003 auf der ITB

Einleitung (Auszug)
Armin Vielhaber

......................"Tourismus braucht Frieden" war unser Thema im vergangenen Jahr - aus Anlass der weltweiten Verunsicherung durch die Anschläge des 11. September.

Die terroristische Gewalt hat inzwischen mehrfach auch die sogenannten "soft targets" im internationalen Tourismus erreicht. Sie versucht, die dabei verübten Anschläge u.a. mit Religion zu legitimieren.

Es stellt sich die Frage, ob die Instrumentalisierung von Religion für politische oder gar terroristische Zwecke das Verhältnis zwischen den Menschen, den Kulturen und Staaten zukünftig stärker beeinflussen wird, als uns lieb ist?

Müssen wir gar mit einer Renaissance von Religionen rechnen, die neue Feindschaft zwischen die Menschen tragen?

Das wäre sicher keine gute Perspektive - auch und vor allem nicht für den Tourismus.

Der Tübinger Professor und Initiator des Projekts "Weltethos", Hans Küng, vertritt die Meinung: Es gibt keinen Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Küng weist dem Dialog zwischen den Religionen eine bedeutende Rolle für den internationalen Frieden zu. Voraussetzung für einen solchen Dialog seien globale ethische Standards.

Wer soll an diesem Dialog beteiligt sein? Ausschließlich Experten, Religionswissenschaftler, Theologen und geistliche Autoritäten?

Wenn Jahr für Jahr Millionen Menschen ihren Urlaub in Ländern mit anderen kulturellen und religiösen Standards verbringen

    - allein die muslimisch geprägten Länder wurden bereits von einem Viertel der Deutschen bereist-

ist die Frage erlaubt, ob nicht auch oder gerade im internationalen Tourismus bisher ungenützte Möglichkeiten bestehen, das Verständnis zwischen den Religionen sozusagen auch auf grassroot-Basis zu fördern - auf der einfachsten Ebene. Mit entsprechender Vorbereitung, mit geeigneten Begegnungskonzepten.

Allerdings: Nur ca. 1/3 bis 2/5 der Deutschen zeigen Interesse, beim Urlaub in anderen Ländern - etwa in der Türkei oder in Ägypten - etwas über die Religion des Gastlandes zu erfahren? Welches Bild von Religion (oder von Informationen über Religion) prägt hier das Interesse oder Desinteresse?

Und: Worüber reden Christen aus dem Westen, die sich von ihrer eigenen Religion z.T. weit entfernt haben, die nicht mehr wissen, warum Pfingsten gefeiert wird, mit Menschen, die gläubige Muslime sind und ihre Religion aktiv ausüben?

Besteht - bei möglicherweise unterschiedlichen Wertvorstellungen - überhaupt die Chance, eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden?

"Tourismus und Weltreligionen" ist unser heutiges Thema - eine Standortbestimmung in Krisenzeiten. .......................

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