ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB
 

"ZwischenRufe" 2004 auf der ITB

Einleitung (Auszug)
Armin Vielhaber

.......................Sie haben es sicher in der Einladung gelesen: Die "Zwischenrufe" finden heute erstmals in Zusammenarbeit mit dem WDR statt. Ich kann Sie beruhigen: Wir fusionieren nicht, aber wir haben beschlossen, auf der ITB zu kooperieren und zwar gerne.

Der amerikanische Schauspieler Jack Nicholson hat kürzlich im Rahmen eines Interviews mit der Süddeutschen Zeitung gesagt: "Aids hat alles verändert. Sie können Bar-Besitzer überall in der Welt fragen, die werden Ihnen bestätigen: Die Party ist vorbei. Jetzt sorgt der Terrorismus dafür, dass die Welt durch Misstrauen vergiftet wird".

Das ist natürlich eine düstere Prognose und: Sie ist von einer amerikanischen Sichtweise geprägt, die vor dem Hintergrund der bekannten, bis in die heutigen Tage reichenden Folgeereignisse des 11. September weiter um sich greifen könnte.

Was würde das für uns bedeuten? Können wir uns, wenn es ums Reisen, ums Urlaub machen geht, überhaupt eine Welt des Mißtrauens leisten, ein Mißtrauen, das von dauernden Zweifeln an den redlichen Absichten des Gegenübers geprägt ist?

Wo bliebe die Freiheit, die Ungezwungenheit, die Unbeschwertheit, die Lust aufs Reisen und die Neugier beim Reisen?

Sollen wir fünf Jahrzehnte an Reiseerfahrung in anderen Ländern und Kontinenten einfach ad acta legen?

Der Wunsch, sich im Urlaub frei zu fühlen, hat immerhin für vier Fünftel der Deutschen den zweithöchsten Stellenwert unter den allgemeinen Urlaubsreisemotiven - gleich nach dem Bedürfnis, sich zu entspannen und keinen Stress zu haben.

Für etwa die Hälfte ist es besonders wichtig oder wichtig im Urlaub viel von der Welt zu sehen, viel zu erleben, Kontakte mit Einheimischen zu haben. Zwei Fünftel wollen etwas für Kultur und Bildung tun und mehr als ein Fünftel wollen auf Entdeckung gehen, Außergewöhnlichem Begegnen - Risiko inclusive.

Was tun?

Müssen wir die Freiheit beim Reisen, ihre Chancen und Grenzen möglicherweise neu definieren? Freiheit, als die Einsicht in bestimmte, auch unangenehme Notwendigkeiten.

Oder ist es müßig, sich über Neugier auf Neues beim Reisen überhaupt noch Gedanken zu machen? - etwa in Orientierung an Fernando Pessoa, der meint,

  • dass "der Reisende, der die ganze Erde durcheilt, ab 5000 Meilen ohnehin nichts Neues mehr findet,
  • dass der abstrakte Begriff der Neuheit schon bei der zweiten Neuheit auf dem Meer zurückgeblieben sei,
  • dass schließlich auch "der Löwenjäger kein Abenteuer über den dritten Löwen hinaus erlebt."

Oder müssten wir die Neugier auf das Fremde nicht gerade jetzt gezielt fördern und unterstützen, den Urlaubern helfen, durch Begegnungen mit dem Alltag der Reiseländer eine differenziertere Einstellung zu gewinnen, eine Reisekultur der aufmerksamen Gelassenheit zu entwickeln, die tragen kann - auch in schwierigen Zeiten?

"Reisen in schwierigen Zeiten. Bleibt die Neugier, bleibt die Freiheit auf der Strecke? - das ist unser heutiges Thema...............................

zurück