ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB
 

"ZwischenRufe" 2005 auf der ITB

Einleitung (Auszug)
Armin Vielhaber

"Sympathie für die Welt?" (Fragezeichen) ist unser heutiges Thema. Studienkreis und WDR haben es ausgewählt, weil es das Motto einer Magazinreihe ist (allerdings ohne Fragezeichen), die seit 30 Jahren im Tourismus Sympathie- und Verständniswerbung für andere Länder, fremde Menschen, ihre Kulturen und Religionen betreibt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht heute nicht um eine Werbeveranstaltung oder gar Geburtstagsfeier. Das werden wir in 20 Jahren tun, wenn die SympathieMagazine 50 werden und ins reifere Alter kommen.

Die Frage "Sympathie für die Welt?" soll heute vielmehr Anlaß sein für ein paar grundsätzliche Überlegungen:

Kann man bei zunehmender Häufung von Krisen , Konflikten, Kriegen, Terror und Gewalt an Mensch und Natur noch Sympathie für die Welt empfinden?

Ist Sympathie- und Verständniswerbung für die Welt überhaupt noch zeitgemäß? Oder müßte man einschränkend fragen: Für welche Welt? Für welche Länder? Für welche Menschen? Für welche Kulturen oder Religionen?

Lohnt es sich noch, neugierig zu bleiben auf die Vielfalt der Welt? Was spricht dafür, dem Fremden offen zu begegnen - im Alltag und beim Reisen?

Sind wir - wenn wir Urlaub machen - überhaupt noch am Blick hinter die touristischen Kulissen interessiert? Schreckt uns die dahinter stehende Realität nicht eher ab? Wollen wir dem Fremden, den Menschen, überhaupt näher kommen?

Reisen wir nicht vielmehr im "Alle-Jahre-wieder-Ritual" in die Fremde, um uns dort - zu Schnäppchenpreisen versteht sich - vor allem vom heimischen Alltagsstress zu erholen, abzuschalten, zu vergnügen, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen? Um allenfalls Unterschiede zwischen uns und den anderen festzustellen oder bestätigt zu finden?

Oder reisen wir auch - der weltpolitischen Lage zum Trotz - um uns auf Fremdes einzulassen, Gemeinsamkeiten zu entdecken?

Max Frisch meint in seinem "Tagebuch": Wir reisen auch, damit wir Menschen begegnen, (...) damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei.

Eine im Januar durchgeführte repräsentative Untersuchung des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung im Rahmen der Reiseanalyse 2005 hat auf der Basis von 7.700 persönlichen Interviews u.a. ergeben:

Von jenen 7 Millionen Deutschen, die 2004 ihre Haupturlaubsreise in einem sogenannten Entwicklungsland verbracht haben, wollen etwa 50 Prozent dort hauptsächlich nur Urlaub machen, faulenzen und ihre Ruhe haben.

Ebenfalls 50 Prozent vertreten aber auch die Auffassung, daß man solche Länder nur richtig kennenlernen kann, wenn man die Möglichkeit hat, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

Zwei Fünftel sind an solchen Begegnungen interessiert.

Wenn Begegnung tatsächlich eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, um in der Urlaubssituation interkulturell zu lernen, um Neues zu entdecken ohne es gleich vorschnell zu bewerten, um kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu respektieren, um Gemeinsamkeiten wahrzunehmen und zu schätzen, um Sympathie für das Fremde zu entwickeln und zu stärken - wie müßte Tourismus gestaltet werden, um solche Begegnung aktiv zu befördern?

Oder könnten die überwältigenden Gefühlsreaktionen und Hilfsbereitschaften im Zusammenhang mit der Tsunami-Katastrophe auch ein Indikator dafür sein, dass die persönliche touristische Erfahrung und Begegnung mit der Fremde bereits mehr an Sympathie für die sogenannte "eine Welt" ausgelöst hat, als wir uns vorstellen können?

"Sympathie für die Welt? - Tourismus zwischen Politik und Religion, Kulturkampf und Verständigung" - ist das Thema unserer heutigen Diskussionsrunde.......

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