ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB
 

"ZwischenRufe" 2007 auf der ITB

Einleitung (Auszug)
Armin Vielhaber

......... "Vom Touristiker zum Internethändler?" ist unser heutiges Thema.

In der Einladung heißt es, die Akteure stünden am Scheideweg. Die Frage sei,

- ob sich Tourismusunternehmen von ihrer bisherigen Aufgabe der Urlaubsgestaltung aus einem Guss sukzessive verabschieden

- ob die von "Herzblut-Touristikern" für ihre Kunden zusammengestellten Urlaubsprogramme in Form von Pauschalreisen aufgegeben werden, weil man die unternehmerische Zukunft besser im Internet aufgehoben sieht – in Form von Reiseportalen mit frei floatenden Services in einem Meer von Leistungsanbietern

- es wird gefragt, ob die Kunden nicht schon längst zu virtuellen Mitspielern geworden seien, die sich ihre Reise selbst maßschneidern.

Fakt ist, dass das Internet in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat

- Gut die Hälfte der Deutschen hat inzwischen Zugang zum Internet

- bereits mehr als zwei Fünftel nutzen das Internet als Informationsquelle für Urlaubsinfos

- ein Fünftel hat bereits eine Urlaubsreise im Internet gebucht

Fakt ist aber auch,

- dass sich Veranstalterreisen als Pauschal- und Bausteinreisen im deutschen Urlaubsreisemarkt gut behaupten – 2006 mit einem Anteil von 48% aller durchgeführten Urlaubsreisen – bei Auslandsreisen waren es sogar 59%

Und Fakt ist ebenfalls, dass die Vorzüge der Pauschalreise durchaus noch - und auch mehrheitlich gesehen werden:

- drei Viertel der Deutschen sehen als Vorzug ein unbeschwertes Reisen ohne eigene Vorbereitung

- zwei Drittel meinen, dass die Pauschalreise das Reisen in ferne Länder erst möglich mache, denn es sei viel zu schwierig und zu kostspielig, solche Reisen auf eigene Faust zu unternehmen

- ebenfalls zwei Drittel betonen die Sicherheit durch die Reiseleitung als Anlaufstelle bei schwierigen Fragen

- schon deutlich weniger – aber immer noch knapp die Hälfte ist der Auffassung, Pauschalreisen seien wesentlich preisgünstiger als individuell arrangierte Reisen.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Reiseerfahrung der Deutschen und der technologischen Entwicklungen im Internet sowie deren Auswirkungen auf Urlaubsorganisation, Buchungsstellen und Zeitpunkt der Buchung, erwartet die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen für die Zukunft ein stetiges Wegschmelzen sowohl bei der traditionellen Pauschalreise als auch bei der ganz selbständig arrangierten Individualreise

Und zwar

- zugunsten von mehr individualisierten Reiseveranstalter-Reisen (Bausteinreisen, aber auch flexiblere Pauschalreisen)

sowie

- zugunsten von Individualreisen, die verstärkt Dienstleistungen der Touristik in Anspruch nehmen.

Verliert der Tourismus seine Seele? – wird im Untertitel der heutigen Zwischenrufe gefragt.

Kann Tourismus als System überhaupt eine Seele haben? – Eine Seele – definiert als geistiges, belebendes Prinzip – das sein Wesen ausmacht, seine Unverwechselbarkeit mit anderen Systemen?

Wenn ja, wer hat diese Seele bisher geprägt? Ist es der Vollblut- oder Herzblut-Touristiker? Was zeichnet ihn aus? In Wikipedia war dazu jedenfalls nichts zu finden. Aber vielleicht schafft unsere Diskussionsrunde hier ein wenig Klarheit...

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