ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB Berlin
 

"ZwischenRufe" 2009 auf der ITB Berlin

Einleitung (Auszug)
Armin Vielhaber

... Im vergangenen Jahr haben wir hier die Entwicklungsmöglichkeiten des Tourismus im Konfliktraum des Nahen Ostens diskutiert - unter dem Titel "LICHT(BLICKE) IM MORGENLAND?"

Heute geht es um Tourismusentwicklung in den Golfstaaten - von denen eines kürzlich sogar als ÜBERMORGENLAND bezeichnet wurde.

Denn was sich am Südzipfel des Persischen Golfs in vergleichsweise wenigen Jahren in Sachen Entwicklung und touristische Entwicklung getan hat, erscheint vom Tempo und den geschaffenen Fakten her atemberaubend und märchenhaft. Auf einer Internetseite wurde gar empfohlen, unser Weltbild zu ändern: Im heißen Wüstensand der Emirate würde ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben.

Unzählige Bilder über die wagemutigsten Projekte der Architektur und Landschaftsgestaltung sind inzwischen in der ganzen Welt verbreitet, haben die globale Aufmerksamkeit auf die Golfstaaten gezogen und eine Welle von Touristen neugierig gemacht und angelockt.

Auch aus Deutschland - das bestätigen die Daten der Reiseanalyse:

So ist das Interesse deutscher Urlauber z.B. an den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Schon Anfang 2005 waren sich 320.000 Bundesbürger ab 14 Jahren "ziemlich sicher", innerhalb der nächsten drei Jahre eine Urlaubsreise in die VAE zu unternehmen. Drei Jahre später - Anfang 2008 - sind es bereits 540.000 (+ 68%).

Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Deutschen, die sich generell für eine Urlaubsreise in die VAE interessieren, von 2,3 Mio auf 3,6 Mio gestiegen (+64%).

Entsprechend hat die Zahl jener Deutschen zugenommen, welche die VAE zu Urlaubszwecken tatsächlich bereist haben: von 260.000 im Zeitraum 2002-2004 auf 430.000 im Zeitraum 2005-2007 (+65%).

Inzwischen spüren auch die Emirate immer stärker die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Investoren halten sich zurück, Immobilienpreise fallen, die Auslastung der Hotels ist rückläufig, die Notwendigkeit von Großprojekten wird neu überdacht, Arbeitskräfte werden entlassen.

Droht den Emiraten - wie bereits in der Presse spekuliert wurde - eine ganz "normale" Destination zu werden, in der das Spiel von Angebot und Nachfrage letztlich dazu führen wird, "daß in Siebensterne-Hotels, die Königen würdig wären, bald Touristen in zerrissenen Shorts am all-inclusive-Buffet Schlange stehen?"

Liegt in der Krise vielleicht auch die Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen, die Entwicklungsfrage neu zu stellen, der Nachhaltigkeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken (nach dem Motto: ökologisch verträglich, sozial verantwortlich und gerecht, wirtschaftlich dauerhaft ergiebig)?

Oder werden die bisherigen Visionen des "everything goes", die Verordnung stetigen Wachstums um jeden Preis, nur zwischengeparkt - ist die These richtig, dass die Golfstaaten zu den ersten gehören werden, die davon profitieren, wenn es der Weltwirtschaft wieder besser geht?

"Erfolgreich auf Sand gebaut?" lautet das heutige Thema. Es ist eine Entwicklungsfrage. Entwicklung bedeutet Veränderung und Anpassung. Nicht alle meinen dasselbe, wenn sie von Entwicklung oder Fortschritt sprechen. Was man für sich und andere für wichtig und erstrebenswert hält, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Diesen und anderen Fragen soll unsere prominent besetzte Diskussionsrunde nachgehen, zu der ich - auch im Namen meiner Kollegin Ulrike Ries-Augustin vom WDR sowie der beiden Förderorganisationen dieser Veranstaltung, dem BMZ und der ITB Berlin - ganz herzlich begrüßen darf:

Seine Exzellenz Sheik Sultan Bin Ahmed Bin Sultan Al Qassimi, Chairman der Sharjah Commerce and Tourism Development Authority und Deputy Chairman des Sharjah Oil Council. Sheik Sultan Al Qasimi vertritt heute in dieser Runde das nach Abu Dhabi und Dubai drittgrößte Emirat der aus insgesamt sieben bestehenden Vereinigten Arabischen Emirate. In Sharjah soll - so habe ich gelesen - das Entwicklungstempo gemächlicher sein, Traditionen würden hochgehalten. Exzellenz, wir freuen uns sehr, dass Sie heute hier persönlich die Fahne der VAE hochhalten.

Dr. Volker Böttcher, Mitglied des Vorstands der TUI Travel PLC und Vorsitzender der Geschäftsleitung der TUI Deutschland GmbH hat Ende Januar mit Familie seinen 50. Geburtstag in den VAE begangen. Während des Abendessens wurde ihm im Restaurant eine Flasche Wein für "sportliche" 1.500,- EUR empfohlen. Obwohl ihm der Kellner vom günstigsten Tropfen für 300 EUR entschieden abriet, da es sich bestenfalls um eine zweitklassige Lage handele, hat Volker Böttcher diese "günstige" Flasche gewählt, sie sogar genossen und erfreut sich - wie wir sehen - auch zu Beginn seines 51. Lebensjahres guter Gesundheit.

Dr. Iskander El-Dick, Redakteur des Arabischen Programms im Hörfunk der Deutschen Welle - nimmt heute bereits zum zweiten mal an den ZwischenRufen teil. Er ist erst vor wenigen Wochen von einer Reise nach Abu Dhabi und Mascat zurückgekehrt. Wir werden sicher von seinen aktuellen Eindrücken über die Entwicklung des Tourismus in der Golf-Region profitieren.

Prof. Dr. Fred Scholz vom Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin hat die Entwicklung in den Emiraten sowie im Sultanat Oman über Jahrzehnte intensiv verfolgt. Was Fred Scholz besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, Verständnisbrücken zu bauen zwischen den verschiedenen Sichtweisen - den dortigen und den hiesigen, europäisch-westlichen - wenn es um Entwicklungsfragen in der Golfregion geht.

Und last not least: Herzlich willkommen Björn Blaschke, WDR-Reporter und langjähriger ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen und Mittleren Osten, der heute die Gesprächsleitung der Zwischenrufe auf der ITB übernimmt.

Ihnen allen sei herzlich gedankt für Ihre Mitwirkung ...

zurück