ZwischenRufe –
Ungefragt nachgefragt auf der ITB
 

"ZwischenRufe" 1999 auf der ITB

Schlussworte (Auszug)
Armin Vielhaber

......................Deutlich geworden ist, dass sich die Reiseindustrie, die Reisenden und die Regierungen in den Entsende- und Empfängerländern des Tourismus den globalen und ethischen Fragen stellen und entsprechend handeln müssen.

Wer touristische Angebote verkauft, wer ein Urlaubsverhalten praktiziert, das direkt oder indirekt dazu beiträgt, globale und lokale Ressourcen, kulturelle und soziale Werte Dritter zu verbrauchen und zu schädigen, muss sich zur Mitverantwortung bekennen.

"Jedermann hat eine entscheidend große Verantwortung dafür, dass sein Leben auch Einfluss hat auf das Leben aller anderen" hat Karl Popper einmal gesagt. Hinter Poppers Aussage steht der kategorische Imperativ von Immanuel Kant und - daraus abgeleitet - :"Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu". Diese "goldene Regel" ist in allen bedeutenden Religionen der Welt enthalten.

Das Parlament der Weltreligionen hat eine "Declaration toward Global Ethic" verabschiedet. In China und Indien hat es jüngst erste Konferenzen über Weltethos und traditionelle chinesische bzw. indische Ethik gegeben. Der Inter Action Council - ein Zusammenschluss von 24 ehemaligen Staats- und Ministerpräsidenten - hat den Entwurf einer Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten erarbeitet. Auf die zahlreichen Codes und Declarations in Sachen Tourismus hat Martin Stäbler bereits hingewiesen.

Diese und andere Maßnahmen können auf unterschiedliche Weise eine eigene Dynamik erzeigen. Unabhängig davon wird es aber notwendig sein, dass Werte, Haltungen und Tugenden praktisch erlebt werden können - auch im Tourismus - durch Beispiel und Vorbild, um verinnerlicht zu werden . Helmut Schmidt hat dazu gesagt: "Damit die Tugenden in Zukunft wieder allgemein und selbstverständlich werden, müssen wir sie uns zunächst wieder bewusst machen".

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung wird sich mit dem Thema Ethik im Tourismus weiter beschäftigen - zunächst am 7. Oktober dieses Jahres im Rahmen des 6. Ammerlander Gesprächs - einem seit 1994 geführten Dialog mit Entscheidungsträgern der Tourismuswirtschaft und Vertretern der Medien.

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